Uhrenankauf: was eine Luxusuhr 2026 noch wert ist

Der Zweitmarkt für Luxusuhren wird 2026 von zwei gegenläufigen Kräften bestimmt: Die Schweizer Uhrenindustrie exportierte 2025 Ware im Wert von 25,6 Milliarden Franken und damit 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr, während der Goldpreis mit 128,68 Euro je Gramm Feingold am 26. August 2026 auf Rekordniveau steht. Für den Verkäufer heißt das: Stahlsportmodelle werden nüchterner bewertet als vor drei Jahren, Vollgold-Gehäuse dagegen haben eine Preisuntergrenze, die es früher so nicht gab.
Das Wichtigste in Kürze
- Schweizer Uhrenexporte 2025: 25,6 Mrd. Franken, minus 1,7 Prozent, 14.599.154 Stück, minus 4,8 Prozent.
- Deutschland liegt mit 1,22 Mrd. Franken auf Rang 9 der Exportmärkte, minus 6,8 Prozent gegenüber 2024.
- Rechnerischer Durchschnittswert je exportierter Uhr: rund 1.753 Franken.
- Bi-Metall-Gehäuse aus Stahl und Gold legten im Dezember 2025 wertmäßig um 41,2 Prozent zu.
- Nach einem Jahr Haltedauer ist der private Verkaufsgewinn steuerfrei, darunter gilt die 1.000-Euro-Freigrenze des § 23 EStG.
Der Markt 2025 in Zahlen
Die Zahlen der Federation of the Swiss Watch Industry beschreiben ein zweites Korrekturjahr in Folge. Der Rückgang beim Wert fiel mit 1,7 Prozent moderat aus, bei den Stückzahlen mit 4,8 Prozent deutlich stärker. Verkauft werden also weniger, aber teurere Uhren.
| Markt | Veränderung 2025 | Anmerkung |
|---|---|---|
| Europa | −0,3 % | weitgehend stabil |
| USA | −0,5 % | größter Einzelmarkt, praktisch unverändert |
| Asien gesamt | −3,8 % | Haupttreiber des Rückgangs |
| Japan | −5,8 % | |
| Hongkong | −6,5 % | |
| China | −12,1 % | Einbruch um mehr als ein Drittel binnen zwei Jahren |
| Deutschland | −6,8 % | 1,22 Mrd. Franken, Rang 9 |
| Schweiz gesamt | −1,7 % | 25,6 Mrd. Franken, 14.599.154 Stück |
Der Dezember 2025 brach den Trend: 2,10 Milliarden Franken bedeuteten ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auffällig war dabei die Spreizung nach Preisklassen. Uhren über 3.000 Franken legten wertmäßig um 2,1 Prozent zu, das Einstiegssegment zwischen 200 und 500 Franken um 20,6 Prozent.
Warum Gold die Bewertung verschiebt
Der Materialanteil war im Uhrenmarkt lange eine Fußnote. Bei einem Feingoldpreis von 128,68 Euro je Gramm ist er das nicht mehr. Eine Uhr mit 100 Gramm Gehäuse- und Bandmasse aus 750er Gold trägt einen reinen Materialwert von 9.651 Euro, bevor über Marke, Werk und Zustand überhaupt gesprochen wurde. Diese Summe ist die Untergrenze jedes ernsthaften Angebots.
In der Exportstatistik ist derselbe Effekt sichtbar. Im Dezember 2025 wuchsen Bi-Metall-Gehäuse aus Stahl und Gold wertmäßig um 41,2 Prozent, während reine Edelmetallgehäuse um 1,3 Prozent nachgaben. Der höhere Goldpreis treibt die Durchschnittspreise nach oben und verschiebt gleichzeitig die Nachfrage in Richtung der Modelle, die Gold nur teilweise einsetzen.
Für Stahlmodelle ohne nennenswerten Edelmetallanteil gilt das Gegenteil. Ihr Wert hängt vollständig an Marke, Referenz, Zustand und Nachfrage. Hier haben sich die Erwartungen seit dem Höhepunkt 2022 am deutlichsten von den tatsächlich erzielten Preisen entfernt.
Was den Ankaufspreis konkret bewegt
Bei der Bewertung einer gebrauchten Uhr zählen fünf Punkte, und sie zählen in dieser Reihenfolge:
- Referenznummer und Baujahr. Zwei Uhren derselben Modellfamilie können sich im Preis um den Faktor drei unterscheiden, wenn sich Zifferblattvariante oder Gehäusegeneration unterscheiden.
- Originalität. Nachgesetzte Zeiger, ein getauschtes Zifferblatt oder eine nachträglich gesetzte Lünette mit Steinbesatz senken den Wert bei Sammlerstücken erheblich, auch wenn sie optisch aufwerten.
- Box und Papiere. Die vollständige Ausstattung mit Garantiekarte, Zertifikat und Umkarton macht bei begehrten Referenzen regelmäßig einen zweistelligen Prozentsatz aus.
- Zustand des Gehäuses. Ein ungeschliffenes Gehäuse mit scharfen Kanten ist mehr wert als ein poliertes, weil das Polieren Material abträgt. Wer vor dem Verkauf polieren lässt, arbeitet gegen sich.
- Servicehistorie. Belegte Wartung beim Hersteller oder in einer autorisierten Werkstatt ersetzt den Rückstellungsbetrag, den ein Käufer sonst einkalkuliert.
Ankauf oder Kommission
Beim Ankauf zahlt der Händler sofort und trägt danach das gesamte Absatzrisiko. Bei der Kommission bleibt die Uhr Ihr Eigentum, der Händler verkauft für Sie und behält einen vereinbarten Anteil, üblicherweise im mittleren einstelligen bis unteren zweistelligen Prozentbereich.
Die Rechnung ist eine Frage der Zeit, nicht der Moral. Wer sofort Geld braucht, verkauft. Wer sechs Monate warten kann und eine gefragte Referenz besitzt, fährt mit der Kommission meist besser. Bei schwer verkäuflichen Modellen kehrt sich das Verhältnis um, dann liegt das Angebot des Ankäufers über dem, was die Kommission nach Monaten und Preisnachlässen übrig lässt.
Warum ein Händlerangebot unter dem Preis der Verkaufsanzeige liegt, hat auch einen steuerlichen Grund. Gewerbliche Wiederverkäufer versteuern gebrauchte Uhren in der Regel nach der Differenzbesteuerung des § 25a UStG, also auf die Handelsspanne. Diese Steuer steckt in der Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis und ist kein Aufschlag obendrauf.
Steuer beim privaten Verkauf
Für Privatverkäufer gilt § 23 EStG. Liegen zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als zwölf Monate, ist der Gewinn steuerfrei. Darunter greift eine Freigrenze: Bleibt der Gesamtgewinn aus allen privaten Veräußerungsgeschäften eines Kalenderjahres unter 1.000 Euro, fällt keine Steuer an. Wird die Grenze erreicht, ist der volle Gewinn steuerpflichtig, nicht nur der übersteigende Teil.
Bei Barzahlung ab 2.000 Euro muss ein Händler, der zugleich mit Edelmetallen handelt, Sie nach dem Geldwäschegesetz identifizieren. Ab dem 10. Juli 2027 gilt zusätzlich die EU-weite Bargeldobergrenze von 10.000 Euro für gewerbliche Zahlungen.
Quellen
- Federation of the Swiss Watch Industry FH: Statistiken zu den Schweizer Uhrenexporten
- Uhrenkosmos: Schweizer Uhrenexporte 2025 im Detail
- § 23 EStG: Private Veräußerungsgeschäfte
- § 25a UStG: Differenzbesteuerung
Häufige Fragen
Wie hat sich der Uhrenmarkt 2025 entwickelt?
Die Schweizer Uhrenexporte lagen 2025 bei 25,6 Milliarden Franken, ein Rückgang um 1,7 Prozent. Die Stückzahl fiel um 4,8 Prozent auf 14.599.154 Uhren. Verkauft werden also weniger, aber teurere Uhren.
Wie wichtig sind Box und Papiere?
Bei begehrten Referenzen macht die vollständige Ausstattung mit Garantiekarte, Zertifikat und Umkarton regelmäßig einen zweistelligen Prozentsatz des Preises aus.
Soll ich die Uhr vor dem Verkauf polieren lassen?
Nein. Jede Politur trägt Material ab und rundet die Kanten. Ein ungeschliffenes Gehäuse ist bei Sammlerstücken mehr wert als ein makelloses.
Was ist eine Vollgold-Uhr mindestens wert?
Den Materialwert. Bei 128,68 Euro je Gramm Feingold entspricht ein Gramm 750er Gold 96,51 Euro, 100 Gramm Gehäuse und Band also 9.651 Euro, Stand 26.08.2026.
Ankauf oder Kommission, was ist besser?
Wer sofort Geld braucht, verkauft. Wer Monate warten kann und eine gefragte Referenz besitzt, fährt mit der Kommission meist besser. Bei schwer verkäuflichen Modellen dreht sich das Verhältnis um.
Ist der Verkauf einer Uhr steuerfrei?
Nach § 23 EStG ja, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als zwölf Monate liegen. Darunter greift die Freigrenze von 1.000 Euro Gesamtgewinn im Kalenderjahr.